Great Barrier Reef

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Das Great Barrier Reef liegt vor der Nordostküste Australiens und gehört, als größtes Korallenriff der Erde, zum UNESCO-Weltnaturerbe. Es wurde 1770 vom britischen Seefahrer James Cook entdeckt. Die Lage des Korallenriffs erstreckt sich von der südlichsten Koralleninsel, der Lady-Elliot-Insel, bis zur Torres-Straße bei Papua-Neuguinea. Das Festland entlang des Riffs ist der australische Bundesstaat Queensland. Aufgrund seiner immensen Ausdehnung, nämlich von Nord nach Süd auf 2300 Kilometern, ist das Great Barrier Reef in mehrere Sektionen unterteilt und zwar in Far Northern Section, Northern Section, Cairns Section, Central Section und Southern Section. Das Riff verläuft fast parallel zur australischen Küste, am östlichen Rand des landeigenen Kontinentalsockels. Letzterer hatte einen maßgeblichen Einfluss auf die Entstehung des Riffs. Insgesamt beherbergt das Great Barrier Reef rund 1000 Inseln, 2900 Einzelriffe sowie eine große Anzahl an Sandbänken. Klimatisch gesehen, befindet sich das Riff in den Tropen und gleichzeitig im Taifun-Gebiet. Die Taifune wüten in der Regel von Oktober bis März, im Februar und März gibt es die meisten Niederschläge.

Das Great Barrier Reef kann auf eine 600 000 Jahre alte Geschichte zurückblicken. Dabei sind die verschiedenen Einzelriffe zu unterschiedlicher Zeit entstanden. Der nördliche Teil, der von Cooktown bis zur Torres-Straße reicht, entstand während der Kontinentalverschiebungen vor 15 Millionen Jahren. Damals verschob sich die Nordspitze Australiens in die Tropen, sodass sich aufgrund der höheren Wassertemperatur riffbildende Steinkorallen-Polypen auf dem Kontinentalsockel ansiedelten. Im Laufe der nächsten Jahrhunderte gab es mehrere Eiszeiten, in denen der Meeresspiegel immer wieder absank und die besiedelten Gebiete austrockneten. Durch Sedimentation entstanden Küstenkalksteine, die praktisch als Fundament für folgende Korallenbesiedlungen dienten, wenn nach den Eiszeiten die Eisschmelzen begannen. Im Laufe der Zeit bildete sich eine zusammenhängende Form von Korallenriffen, ein so genanntes Barriere-Riff, das seewärts immer weiter wächst. Zur Küstenseite hin verläuft eine Lagune, die mit Korallenbänken und Riffen durchzogen ist. Das Outer Reef, die äußere Riffseite, fällt bis zu 2000 Meter tief zum Meeresboden ab.

Riff

Viel später entstanden die südlichen und mittleren Teile des Riffs. Die Formationen dort sind weniger kompakt, tatsächlich haben sich vermehrt Saum-Riffe gebildet, die allerdings in direkter Küstennähe wachsen. Dazu kommt, dass einige Gebiete des Riffs früher zum Festland gehörten, nach dem Steigen des Meeresspiegels jedoch überflutet wurden. Die zum Great Barrier Reef gehörenden Inseln sind also die Spitzen von versunkenen Bergen. Daneben gibt es etliche versunkene Anhöhen, auf denen sich Plattform-Riffe bildeten, die teilweise einen Durchmesser von 15 Kilometern erreichen. Vor rund
10 000 Jahren begann die letzte Kaltzeit. In dieser Zeit, bis heute, wuchsen und wachsen zahlreiche Korallenarten auf dem Riff, die einen einzigartigen Lebensraum für Tiere und Pflanzen schufen und weiterhin schaffen.

Dieser Lebensraum ist die größte Struktur, die jemals auf der Erde von Lebewesen geschaffen wurde. Es gibt 80 Arten von Weichkorallen, 359 Steinkorallenarten, 1500 Schwammarten, 5000 verschiedene Weichtiere, 800 Arten von Stachelhäutern und zahllose verschiedene Arten von Seetang, Seefedern und Fischen, außerdem rund 215 Vogelarten, die vom Riff leben. Es gibt weltweit sieben Arten von Meeresschildkröten, das Great Barrier Reef beheimatet sechs von ihnen. Einige sind vom Aussterben bedroht, dasselbe betrifft auch die Seekühe, die so genannten Dugongs. Darüber hinaus nutzen die Buckelwale das Riff, um ihre Jungen zu gebären. Ideale Bedingungen bieten die Korallenstöcke auch den Schnecken und Muschelarten.

Ausdehnung und Aussehen des Riffs sind einem ständigen Wandel unterworfen, denn dieses Ökosystem ist ein lebender Organismus, der zudem sehr empfindlich ist und beispielsweise unter einer Erhöhung der Wassertemperatur leiden würde und es vielerorts bereits tut. Der lebensnotwendige Algenbewuchs der Korallen gedeiht am besten in einem Temperaturbereich zwischen 18° und 30° Celsius. Erhöht sich die Wassertemperatur durch bestimmte Umstände, sterben die Algen ab und später auch die Korallenstöcke, sodass das weiße Kalkgerüst sichtbar wird. Das wiederum würde den Tod weiterer Arten bedeuten, für die die Korallen den Lebensraum darstellen. Ein besonders sensibles Ereignis drohte ebenfalls zu verschwinden, nämlich die Korallenblüte, die im November stattfindet und eine Wassertemperatur von rund 27° Celsius benötigt. Die minutiöse Abgabe von Samen und Eizellen ist ohnehin durch Meeresströmung und Fressfeinde erschwert, eine höhere Wassertemperatur würde den Ausstoß der fruchtbaren Zellen vermindern, wenn nicht sogar vollends beenden.

Der Tourismus nimmt am Great Barrier Reef einen breiten Raum ein. In erster Linie lockt das Riff Wassersportfreunde an, entsprechend groß ist das touristische Angebot. Es werden Tagestouren mit dem Boot, Segelboot oder Katamaran oder mehrwöchige Törns angeboten. Glasbodenboote und Halb-U-Boote sowie Unterwasserobservatorien bieten einzigartige Aussichten auf die Korallenbänke. Im Außenriff sind Potons verankert, die mit Schiffen angefahren werden können. Sie bringen Taucher und Schnorchler zu den interessantesten Plätzen. Bedient werden die meisten Gebiete durch die Küstenstädte Cairns, Port Douglas und Airlie Beach.

Bereits die Hälfte der Korallen ist zwischen 1985 und 2012 verloren gegangen. Ursachen sind Nährstoffe aus der küstennahen Landwirtschaft, Pflanzenschutz- und Düngemittel, Schadstoffe durch die Bebauung der Inseln, die touristische Nutzung des Riffs sowie die globale Erwärmung. Darüber hinaus hat die vermehrte Intensität der Zyklone zu einer weiteren Zerstörung beigetragen. Dazu kommt die durch Menschen herbeigeführte Emission von Treibhausgasen, die die Meere ansäuern. Aber Gefahr droht auch aus der unmittelbaren Umgebung der Korallen, nämlich in Form des Dornenkronenseesterns. Dieser saugt die lebenden Korallenpolypen aus ihren Kalkgehäusen und frisst sie auf.